Überblick Lawinenkatastrophen (u.a. Walsergebiete betreffend)
Datum | Betroffenes Gebiet | Opfer, Schäden |
|
|
|
|
|
|
Jan, 1459 | Trun, Disentis (Surselva/GR) | 25 Tote, St. Placidus-Kirche (erbaut 804), ca. 8 Häuser und 8 Ställe zerstört |
1518 | Leukenbad (VS) | 61 Tote, viele Gebäude und Bäder zerstört |
Jan. 1687 | Meiental, Gurtnellen (UR) | 23 Tote, 9 Häuser und 22 Ställe zerstört, 110 Stk Vieh getötet |
Feb. 1689 | St. Antönien, Saas im Prättigau, Davos (CR) | 80 Tote, 37 Häuser und viele andere Gebäude zerstört, Wald- und Viehschäden |
Feb. 1695 | BoscoGurin (TI) | 34 Tote, 11 Häuser und viele Ställe zerstört |
Jan. 1719 | Leukerbad (VS) | 55 Tote, Kapelle, Bäder, über 50 Häuser und viele andere Gebäude zerstört |
Feb. 1720 | Ftan, St. Antönien, Davos (GR) | ca. 40 Tote, viele Gebäude und Wald zerstört |
März 1741 | Saastal (VS) | 18 Tote, ca. 25 Gebäude zerstört |
Feb. 1749 | Rueras, Zarcuns, Disentis (Surselva~GR) | 75 Tote, ca. 120 Gebäude zerstört und rund 300 Stk. Vieh getötet |
Dez. 1808 | Obermad/Gadmental (BE) | ganzes Dörflein verwüstet. 23 Tote, große Gebäude- und Viehschäden; total 19 Tote durch weitere Lawinen im Berner Oberland |
März 1817 | Gadmental (BE) | ganzes Dörflein zerstört: ca. 1 5 Tote (Datum, Opfer- und Schadenbilanz unsicher) |
1827 | Biel, Selkingen (VS) | ca. 51 Tote, 46 Häuser zerstört |
Jan. 1844 | Göschenertal (UR), Guttannen, Grindelwald und Saxeten (BE) | 13 Tote, Gebäude- und Viehschäden |
April 1849 | Saas Grund (VS) | 19 Tote, 6 Häuser und ca. 30 andere Gebäude zerstört resp. beschädigt; auch im übrigen Saas-Tal große Gebäudeschäden |
Feb. ? März 1888 | 3 Lawinenperioden; Schwerpunkte: | Winter 1887/88:1094 registrierte Schadenlawinen forderten 49 Todesopfer zerstörten 850 Gebäude, töteten 700 Stk. Vieh und schlugen 1325 ha Wald |
Dez. 1923 | Alpennordseite, Gotthardgebiet, Wallis, Nord- und Mittelbünden | große Lawinenschäden in weiten Teilen der Schweizer Alpen |
Jan. - Feb. 1951 | 2 Lawinenperioden; Schwerpunkte: | Winter 1950/51:1421 registrierte Schadenlawinen forderten 98 Todesopfer zerstörten 1527 Gebäude, töteten 800 Stk. Vieh und schlugen 2000 ha Wald |
Jan. 1954 | Alpennordseite, Nordbünden | 258 registrierte Schadenlawinen forderten 20 Todesopfer; zerstörten 608 Gebäude, töteten ca. 230 Stk. Vieh und schlugen 83 ha Wald |
Jan. 1968 | Alpennordseite und Graubünden (ohne Südtäler), v. a. Region Davos | 211 registrierte Schadenlawinen forderten 24 Todesopfer zerstörten 296 Gebäude, töteten ca. 23 Stk. Vieh und schlugen 46 ha Wald |
April 1975 | Alpensüdseite, stark nach Norden übergreifend | 510 registrierte Schadenlawinen forderten 14 Todesopfer zerstörten 405 Gebäude, töteten ca. 170 Stk Vieh und schlugen 600 ha Wald |
Feb. 1984 | nördlich des Alpenhauptkamms, v. a. Gotthardgebiet, Samnaun | 322 registrierte Schadenlawinen forderten 12 Todesopfer zerstörten 424 Gebäude, töteten ca. 30 Stk. Vieh und schlugen 414 ha Wald |
Galtür (1999)
Der 23. Februar 1999 ist in Galtür bis heute nicht vergessen. Nach tagelangen und intensiven Schneefällen verwüstete eine Staublawine beträchtliche Teile des Ortes. Die Lawine sprengte ganze Gebäude und legte sich wie eine Betondecke über den Ort. 31 Menschen starben durch die Lawine in Galtür. Im benachbarten Dorf Valzur wurden einen Tag später sieben Menschen durch eine Lawine getötet. Die Aufräumarbeiten dauerten Wochen, eine Luftbrücke mit Hubschraubern evakuierte die im Paznauntal eingeschlossenen Urlauber. In der 600 jährigen Chronik des Ortes ist keine vergleichbare Katastrophe verzeichnet.
Reckingen (1970)
Seit Tagen herrschte im Alpengebiet schlechtes Wetter mit Schneefall und starken Winden. Im Goms war mehr als 140 cm Neuschnee gefallen. Doch niemand fühlte sich in Reckingen dadurch bedroht. Seit mehr als 200 Jahren war keine Lawine bis ins Dorf heruntergekommen.
Es geschah am 24. Februar 1970. Morgens um fünf Uhr stürzten gewaltige Schneemassen gegen das Dorf herunter. Die Lawine riss alles nieder, was sich ihr in den Weg stellte. Mehrere Häuser wurden unter den Schneemassen begraben. Ein riesiger Lawinenkegel bedeckte ein Teil des Dorfes, die Strasse und die Eisenbahnlinie. In Schnee und Trümmern begraben lagen 48 Menschen.
Es gelang achtzehn Vermisste lebend aufzufinden. Ein einjähriges Kind in der Wiege wurde sogar unverletzt gefunden. Für dreissig Menschen kam aber jede Hilfe zu spät.
Der Lawinenwinter 1951
Der Winter 1950/51 war in den Schweizer Alpen ausserordentlich schneereich (zum Teil wurden mehr als 200% der üblichen Januar-Niederschläge verzeichnet). In der Nacht auf den 16. Januar 1951 setzte eine aktive Nordwestströmung ein, was zu intensiven Schneefällen auf der Alpennordseite führte. Die Schneefallintensität erreichte phasenweise 10-15 cm pro Stunde. Als Folge dieser auusergewöhnlich lang andauernden und intensiven Schneefälle gingen unzählige Lawinen von verheerendem Ausmass nieder. (Betroffene Walsergebiete)
Vom 19. - 22. Januar 1951 richteten in den Schweizer Alpen über 1000 Lawinen Sachschaden an und forderten 75 Todesopfer. Am schwersten traf es die Region Andermatt, die Landschaft Davos, das obere Prättigau, das obere Schanfigg, den mittleren Teil des Engadins und die Surselva.
Andermatt (Januar 1951)
Die Gegend um Andermatt wurde besonders schwer getroffen. als besonders gefährdet galten das Kasernenareal, der Westausgang des Dorfes sowie die Gegend um die Mühle. Am 20. Januar gegen 13.45 Uhr stürzte die Geisstallawine von den Steilhängen östlich des Bannwaldes herunter und drang bis in den Dorfkern von Andermatt vor. Diverse Gebäude und Ställe wurden zerstört, so auch das 400 Jahre alte Hotel 3 Könige.
Ein ausserordentlich grosser Lawinenabgang ereignete sich nur wenige Stunden später (gegen 18.00 Uhr) am oberen Rand des Verbau- und Aufforstungsgebietes Kirchberg. Die Schneemassen fegten gegen das Kasernenareal, zerstörten acht Militärgebäude, beschädigte sieben weitere und verschütteten die Gotthardstrasse sowie die Linie der Furka-Oberalp-Bahn.
Auch in Richtung Oberalp gingen zahlreiche grosse Lawinen ab. So wurde das Hotel Oberalpsee wahrscheinlich am 20.Januar von einer Lawine vom Pazzolastock her verschüttet.
Vals (Januar 1951)
Weitaus am meisten Todesopfer forderte am Abend des 20. Januar ein grosser Lawinenabgang in Vals im Bünder Oberland. In den drei Tagen vor dem Unglück waren im Talboden rund ein Meter Neuschnee gefallen. Gegen 22.00 Uhr wurde der gesamte Dorfteil auf der Westseite des Valser Rheins zwischen der Brücke und dem Kurhaus Therme von der Alpbüellawine erfasst, nachdem bereits zur Mittagszeit eine Lawine durch das Molatobel abgegangen war, die seit 1812 nie mehr aufgetreten war. Insgesamt fanden 19 Personen, darunter 14 Kinder aus 7 Familien in der Alpbüellawine den Tod.
Matheo Eggel
Quellen:
http://air.droessler.at/berichte/Galtuer/Galtuer/galtuer_mbilder1.htm
http://www.br-online.de/umwelt-gesundheit/artikel/0402/23-galtuer/index.xml
http://www.reckingen-gluringen.ch/foto.html
http://www.educa.ch/tools/648/files/lawvonreck.doc
http://www.skronn.de/skiclub/Lawinen.htm
( Daten entnommen aus Walter Ammann et al.: Lawinen. Birkhäuser Verlag, 1997)
Laternser Martin, Walter J. Ammann:Der Lawinenwinter von 1951 und seine Auswirkungen auf den Lawinenschutz. In: Pfister, Christian (Hrsg.): Am Tag danach. Zur Bewältigung von Naturkatastrophen in der Schweiz 1500 - 2000. Bern, Stuttgart, Wien: Haupt Verlag 2002, S. 153-169.

















