Standpunkt 1: Die Walser haben nur ein Erbgut gemeinsam: Die Sprache . Walser Recht ist Kolonistenrecht .(Exponenten: Peter Liver ,  Paul Zinsli, Louis Carlen)

"Man hat immer wieder versucht, die Eigenart der Walliser und der Walser zu bestimmen und ihre Gemeinsamkeiten zu ermitteln. Man sprach von Walserblut, von Walserrecht, vom Walserhaus, von Walsersagen und -bräuchen und wollte im hl. Theodul den Walserheiligen erkennen. Diese und andere Versuche vermögen nicht zu überzeugen. Gewisse Eigenheiten finden sich nämlich nur in einzelnen Kolonien, und andere teilen die Walliser und die Walser mit ihren Nachbarn. Wie könnte es auch anders sein? Seit den Wanderungen sind rund 700 Jahre verstrichen. In dieser langen Zeit haben die Nachkommen der Auswanderer ihre Lebensweise der neuen Umwelt und den andersgearteten Nachbarn angepasst. Manchenorts sind sie schon längst in der umgebenden Bevölkerung aufgegangen, so in Savoyen, im Berner Oberland, im Urserental und in einigen Gegenden Graubündens.

Heute ist man sich darüber einig, dass die Walliser und die Walser nur ein Erbgut gemeinsam haben: ihre altertümliche Sprache."

(Fibicher, Walliser Geschichte Band 2, Seite 244)

"Man kann wohl sagen, dass Livers These vom Walserrecht als Kolonistenrecht Gemeingut geworden ist und praktisch von allen, die seither geschrieben haben, übernommen worden ist. Auch Hans Kreis, Paul Zinsli und Enrico Rizzi haben in ihren Gesamtschauen sich ihr angeschlossen."

(Carlen, Aufsätze zur Rechtsgeschichte, Seite 75/76)