Streifzug
Streifzug durch DIE WALSER SIEDLUNGEN in den Zentralalpen
Im frühen 13. Jahrhundert überquerte eine Walliser Kolonistengruppe den Simplonpass, um sich an dessen Südfuss niederzulassen. Später wanderten Walser von hier aus nach Ornavasso i. u. Tocetal weiter. Ebenfalls im 13. Jahrhundert zogen Walliser aus dem Lötschental zurück ins Berner Oberland, wo sie im Quellgebiet der Weissen Lütschine im Lauterbrunnental und auf der Planalp an der Flanke des Brienzer Rothorns sesshaft wurden. Auch in der Umgebung von Thun, in Grindelwald und im Haslital liessen sich Walserfamilien nieder. Andere Walsersippen wanderten westwärts ins französische Hochsavoyen. Dicht an der Grenze zum Unterwallis gründeten sie die Kleinsiedlungen Les Allamands bei Morzine und Les Allamands über Samoëns, ? und 1264 überliess Richard, Prior der Kirche von Chamonix, den urkundlich «Theutonici» genannten Walsern die Hälfte des oberen Talstücks von Vallorcine als Erblehen unter Zusicherung der Freizügigkeit.
Südwalser
Schon gegen die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert liessen sich über den Griespass gezogene Leute aus dem Goms in Pomatt-Formazza nieder, der ältesten Walsersiedlung am Südfuss der Alpen, und schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gab das Pomatt Leute an Bosco Gurin im Tessin ab und vermutlich schon vor 1270 an Graubünden. Von Pomatt aus wurde wohl zur gleichen Zeit das ins Antigoriotal vorgeschobene Salecchio-Saley gegründet, während die Besiedlung des nahen Agher-Agaro und Opso-Ausone vielleicht vom Binntal her erfolgte. Die Pässe Theodul und Monte Moro eröffneten den Walser im 13. Jahrhundert die italienischen Alpentäler rund um den Monte Rosa: Ayas, Gressoney, Issime, Alagna, Macugnaga, Rima und Rimella, das seinerseits Siedler an seine Tochtersiedlung Campello Monti in der obersten Val Strona abgab.
Zug nach Rätien
Auf jeweils verschiedenen Wegen zogen Walser ostwärts nach Rätien. Die Furka erschloss ihnen das Urserental und der Oberalppass das Bündner Oberland mit Obersaxen, Valendas, Versam und vielleicht Tenna im unteren Safiental. Ebenfalls im 13. Jahrhundert wanderten Leute aus Pomatt via San Bernardino in den Rheinwald ein. Die ersten urkundlich bezeugten Walser in Rheinwald und in Rätien überhaupt waren Jakob und Hubert, die Söhne des Peters von Riale in Pomatt-Formazza. 1273 nahm Albert von Sax-Misox, Herr auf Schloss Misox, den beiden Brüdern, die einer schon im Rheinwald wohnhaften Walser Siedlergemeinschaft vorstanden, den Vasalleneid ab und versprach ihnen, sie gegen jedermann zu schirmen. Als Anerkennungszins hatten die Brüder alljährlich auf den Bartholomäustag «ein Pfund guten und schönen Pfeffer» auf Schloss Mesocco zu liefern. Doch schon wenige Jahre später machten die Herren von Vaz denen von Sax einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Sie nahmen die deutschen Leute im Rheinwald unter ihren Schutz und stellten ihnen einen Freiheitsbrief aus. Darin wurde den Walsern die eigene Gerichtsgemeinde bestätigt, ein Recht, das sie bereits in der alten Heimat besessen hätten.
Ein Dokument von 1286 zeigt, dass von 18 Siedlerfamilien im Rheinwald deren 10, die Mehrheit also, aus Pomatt stammen, 3 weitere aus dem Simplongebiet, 2 aus dem Wallis, 1 aus dem Valle Maggia, vermutlich aus dem walserischen Bosco Gurin, und bei 2 ist die Herkunft unbekannt. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, handelt es sich also nicht um Zuwanderer aus dem Rhônetal, sondern um Leute aus bereits bestehenden Walserkolonien am Südfuss der Alpen. Das Rheinwald entwickelte sich zur Stammkolonie, die um 1300 Siedler an die benachbarten Täler Vals und Safien an den Heinzenberg und vermutlich auch an Mutten, aber auch an Avers abgab.
Landschaft Davos
Davos ist die andere rätische Walser Stammkolonie. Die Walser dürften um 1280 in der Landschaft Davos aufgetaucht sein. Im Jahre 1289 übergab Hugo II. von Werdenberg im Namen der minderjährigen Söhne Walters V. von Vaz «Wilhelm ammen und seinen gesellen ? die sich nach einer Probezeit zum Bleiben entschieden hatten ? daz guot ze Tavaus ze rechten lehen». Im Brief sind die Rechte und Pflichten der unter Führung des Ammanns Wilhelm stehenden Siedler aufgeführt. Es heisst: «Dasselbig Guot söllend si ewigklich (auf alle Zeiten) besizen. Und wenn sie ihren Zinß verrichtend, so sind sie frey und habend mit nieman nüdt ze schaffen...»
Und weiter lesen wir: «Wer in das thal komt, der hat denselben Schirm», geniesst den gleichen Schutz und Status wie die Mitglieder der Siedlergemeinschaft. Schon früh nahmen die Walser also Zuzüger in ihre Gemeinschaft auf. Dass es sich bei Wilhelm und seinen Leuten um Walliser handelt, sagt die Urkunde nicht. Es wird aber durch einen von Donat von Vaz mitunterzeichneten Lehensvertrag von 1300 aus Praden im Schanfigg bestätigt, wo sich zwei Walliser nach dem Recht der Walliser von Davos belehnen. liessen
Davos lieferte Siedler an Klosters, Mombiel, Schlappin, St. Antönien, Furna und Valzeina im Prättigau, an Wiesen und Schmitten im Albulatal, an Arosa, Langwies, Fondei, Sapün, Tschiertschen und Praden im Schanfigg und an Churwalden.
Rheintal
Die Einwanderung nach Says und Trimmis im Churer Rheintal erfolgte wohl von Valzeina aus. Besser orientiert sind wir über die Bündner Herrschaft mit den Walserorten Ober Rofels und Unter Rofels mit dem alten Rathaus der freien Walser sowie Bovel und Mutzen-Guscha. Dürftig ist die Quellenlage auch bezüglich der Besiedlung des Calfeisentals im Sarganserland, von wo aus Walser nach Weisstannen und in einige Gebiete auf Glarner Boden (Rüti, Braunwald, Elm und Matt) weiterzogen. Auch bezüglich der walserischen Besiedlung des St. Galler Rheintals sowie Triesenbergs und Plankens in Liechtenstein ist aus Quellen kaum etwas zu erfahren.
Vorarlberg
In Vorarlberg sind Walser für das 14. Jahrhundert belegt im Laternsertal, in Damüls, Ebnit und im Brandnertal. Zur gleichen Zeit tauchten sie im Grossen Walsertal, am Tannberg bei Lech, im Kleinwalsertal sowie am Bartholomäberg und im Silbertal im Montafon auf. Schon im Tirol liegt östlich des Zeinisjochs Galtür im Paznaun, die östlichste Walsersiedlung und gleichzeitig die westlichste Gemeinde Tirols. Die Anwesenheit von Walsern in Galtür bestätigt ein Eintrag von 1320 im Rechnungsbuch des Landesfürsten Heinrichs von Tirol. Dort ist die Rede von den «homines dicti Walser in Cultauer», die zum neuen Zins endgültig angesiedelt worden seien, da ihr weiterer Aufenthalt - zum alten Preis - wohl nicht sicher gewesen wäre.
VS, 21.9.11




























