Waldbrücheta

[Waldnutzung]

Die Nutzung des Waldes in der Schweiz hat sich in den letzten 200 Jahren grundlegend verändert. Noch um 1800 waren im Wald die Ziegenweide und die Gewinnung von Viehfutter, Streue und Beeren ebenso wichtig wie die Holzproduktion. Erst im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts verloren diese agrarischen und familienwirtschaftlichen Nutzungen an Bedeutung oder wurden gar aufgegeben.

In den traditionellen Formen der Waldnutzung kommen das gesammelte Wissen und die akkumulierten Erfahrungen ganzer Generationen zum Ausdruck. Dieser Erfahrungsschatz droht zu verschwinden, denn das Wissen von «Hüeterbueben» und die Umstände der Verwendung des «Heitisträhls» wurden kaum dokumentiert, obschon sie aus kulturhistorischer und ökologischer Sicht von grossem Interesse sind.

Für die vorliegende Studie wurden in fünf Regionen (Saanenland, vorderes Vispertal, Fankhausgraben, Schächental, Prättigau) Zeitzeugen zu ihren Erfahrungen im Wald befragt. Damit liegt nun erstmals eine Übersicht über die verschiedenen Formen traditioneller Waldnutzung vor.

In den beiliegenden Dokumentarfilmen werden sechs wichtige Arten der Waldnutzung vorgestellt: Waldweide; Verwendung von Laub und Nadeln; Sammeln von Beeren, Pilzen und Heilpflanzen; Waschen mit Aschenlauge; Verwendungsmöglichkeiten von Harz; Nutzung von Ästen, Stämmen und Zweigen. Gespräche mit Zeitzeugen und historisches Bild- und Filmmaterial ermöglichen Einblicke in die Vielfalt traditioneller Formen der Waldnutzung in der Schweiz.

Martin Stuber / Matthias Bürgi: Hüeterbueb und Heitistähl. Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800 bis 2000. Haupt, Herausgeber: Ruth und Herbert Uhl-Forschungsstelle für Natur- und Umweltschutz, Bristol-Stiftung, Zürich, www.bristol-stiftung.ch, Bern, 2011.

Aus diesem lesenwerten Buch habe ich das Kapitel zum Vispertale in der vorgegebnen Form herausgenommen, die Seitenzahlen am Ende des jeweiligen Kapitels beziehen sich auf die oben erwähnte Ausgabe, die Fussnoten habe ich weggelassen. Wer sich umfassender informieren möchte, verweise ich auf die Buchausgabe. (23. 3. 2014; Red. VS)

Futter

  • Waldweide
  • Waldheu
  • Nadel- und Laubfutter

Unterlage

  • Laub- und Nadelstreue
  • Lische
  • Bettlaub

Nahrung

  • Beeren
  • Buchnüsse, Eicheln, Kastanien, Zäpfen
  • Pilze
  • Waldfeldbau

Wirkstoff

  • Aschenlauge
  • Gerberrinde
  • Harz
  • Heilmittel

Brennstoff

  • Äste, Tannzapfen, Schwemmholz
  • Holzkohle

Werkstoff

  • Schindeln
  • Zäune
  • Werkholz
  • Moos, Rinde, Bast
Melken der Schwarzhalsziegen, Visperterminen, Melken der Schwarzhalsziegen, Visperterminen,

Melken der Schwarzhalsziegen, Visperterminen,

Foto Julian Vomsattel, aus: Hüeterbüeb und Heitisträhl, S. 117

Waldnutzung

Füäter im Wald

[Futter: Waldweide, Futterlaub, Tannenreisig]

Die Zeitzeugen sind sich für das vordere Vispertal absolut einig über die grosse Bedeutung der Waldweide sowohl des Grossviehs als auch der Ziegen und Schafe. Die Ziegen standen vor allem im Besitz derjenigen Familien, "die immer ein bisschen schauen mussten"; "...an bitz miessu lüege". Nur die etwas wohlhabenderen Familien konnten es sich leisten, während der Alpzeit eine Kuh bei sich zu behalten; die Ärmeren waren im Sommer für ihre tägliche Versorgung mit Milch auf die Ziegen angewiesen. Eine gute Geiss gab am Morgen und am Abend je einen Liter, und mit der Milch lebte man einfach. Schafe wurden demgegenüber von fast allen Fami­lien gehalten, nicht zuletzt auch deshalb, weil man das Fleisch wahnsinnig gern hatte. Zudem gaben sie Wolle für Socken und Pullover oder auch für das Landtüoch, das man in der Walche verfilzt hat.

Nadelstreunutzung in den Vispertälern um 1965,Nadelstreunutzung in den Vispertälern um 1965,

Nadelstreunutzung in den Vispertälern um 1965,

Foto Adrian Imboden aus Hüeterbüeb S. 124

Waldnutzung

Unerlag: Nadle- und Löibstrew

[Unterlagen: Nadel- und Laubstreue]

HeitustreelHeitustreel

Heitustreel

Waldnutzung

Naahrig: Beerini, Nussä, Pilza

[Nahrung: Beeren, Nüsse, Pilz]

Grossser Waschtag in Visperterminen aus Hüeterbüeb... S. 130

Waldnutzung

Wirkstoffa: Harz, Heil und Rüschmittel

[Wirkstoffe: Harz, Heil- und Rauschmittel]

Im vorderen Vispertal waren die wichtigsten Wirkstoffe aus dem Wald die Aschenlauge zum Waschen, die vielfältigen Harznutzungen sowie die zahlreichen Heilpflanzen.

Schulkinder tragen gesammelte Äste nach Hause, Vispertäler 1945, Schulkinder tragen gesammelte Äste nach Hause, Vispertäler 1945,

Schulkinder tragen gesammelte Äste nach Hause, Vispertäler 1945,

aus: Imseng 1997 in: Hüeterbüeb, S. 136

Waldnutzung

Brännstoff: Äscht, Rinda, Tannuzapfe, Wurzelsteck

Brennstoff: Äste, Rinde,Tannzapfen, Wurzelstöcke

Zwei Frauen auf dem Heimweg vom Kartoffelngraben, zwischen zwei Lochzäunen, bei Visperterminen, 1940, in: Hüeterbüeb... S. 137

Waldnutzung

Werchstoff: Schindlä, Werchholz, Züna, Moos

[Werkstoff: Schindeln, Werkholz, Zäune, Moos]

Interessantes aus dem Bereich Waldnutzung

Unerlag: Nadle- und Löibstrew

[Unterlagen: Nadel- und Laubstreue]

Details

Wirkstoffa: Harz, Heil und Rüschmittel

[Wirkstoffe: Harz, Heil- und Rauschmittel]

Details

Werchstoff: Schindlä, Werchholz, Züna, Moos

[Werkstoff: Schindeln, Werkholz, Zäune, Moos]

Details