Dialektgrenzen im Walliserdeutschen
Besiedlung
Das Walliserdeutsche ist nicht einheitlich. Es umfasst zwei Mundartgruppen. So nennt man den Frühling im westlichen Oberwallis üsstag, im östlichen langsi. Unterhalb Brig sagt man liwwu, oberhalb Brig hirme. Lüwe/liwwe ist aber auch nördlich des Lötschenpasses und ghirme jenseits der Grimsel verbreitet. Das spricht für zwei Einwanderungswege.
(vgl. Fibicher Arthur: Walliser Geschichte, Bd. 1)
Ein erster alemannischer Einwanderungsweg über die Grimsel (vor dem Jahr 1000) lässt sich durch die vielen -ingen Dörfer im Goms leicht nachweisen.
Eine zweite Einwanderung erfuhr das Oberwallis über den Lötschen-, Santesch- und Rawylpass.
Im Raume Gamsen Brig trafen die beiden Gruppen aufeinander und hier durch diesen Stauraum führen auch die wichtigsten Dialektgrenzen > Chees - Chääs.
Dialektgrenzen
Die wichtigste und auch markanteste Dialektgrenze im Walliserdeutschen ist eindeutig die ee/ää (Chees, Scheeri, Zeewe - Chääs, Schääri, Zääwe: Käse, Schere, Zehen) Grenzen. Diese Grenze verläuft zwischen Visp und Brig; grob könnte man die Gamsermauer als Grenze sehen, doch gehören die beiden Dörfer Baltschieder und Eggerberg ebenfalls noch zum ää-Raum. Besonders interessant ist, dass die Grenze zwischen Simmentaler Fleckvieh und dem Innerschweizer Braunvieh ebenfalls an diesem Ort verlief (früher waren diese beiden Viehrassen die dominierenden im Oberwallis). Aus der Milch von Fleckvieh gab es Chees; aus derjenigen von Braunvieh Chääs.
Etwas weiter westlicher liegt die du-düü Grenze.
Östlich von Brig treffen wir auf die unterschiedliche Lautung des Wortes uns; iisch heisst es im westlichen Teil; insch bei den Gommern.
Am gleichen Ort läuft auch die Umkehrung der e/ä Grenze; im östlichen Teil sagt wer Chääs sagt den kurzen e-Laut als e: pchennu (kennen); demgegenüber sagt wer Chees sagt den kurzen e-Laut als offenes ä: kchännu.
Eigenheiten
Früher konnte man von der Dialektfärbung her problemlos erkennen, aus welchem Dorfe der Sprecher stammte. Heute sind die einzelnen Dialektfärbungen verblasst, trotzdem lässt sich noch heute in etwa die Gegend (Brig, Visp, Leuk) oder das Tal (Goms, Saastal, Lötschental) an lokalen Eigenheiten bestimmen.
Die wichtigsten Eigenheiten können der nebenstehenden Grafik entnommen werden.
Sprachprobe in Ausserberger Mundart
Volmar Schmid, 23. 11. 2010















