Dr Mänsch
Wenn man die nebenstehende Grafik genauer betrachtet, stellt man unschwer fest, dass für die Bezeichnungen der einzelnen Körperteil meist die Begriffe der Hochsprache in walliserdeutschen Lautung übernommen werden (z.B. Höüt, Haupt, Wado, Waden). Deshalb spielt es auch keine Rolle, wenn viele Bezeichnungen fehlen (z.B. Nacken) man muss nur den hochdeutschen Begriff dazu in die walliserdeutsche Lautung übernehmen.
Ein paar Eigenwörter gibt es aber dann doch noch (diese kommen aber nicht nur im Walliserdeutschen vor):
Grint, N. m., Pl. Grinda für Kopf; Grint, Ausschlag, Geschwulst, hat sich von der abschätzigen Verwendung zu einem Alltagswort entwickelt, es bleibt aber eher auf einer tiefen Stilebene: äss het der Grint agschlagu, er hat sich den Kopf gestossen.
Glotz, N. m., Pl. Glotza für die Augen; von glotzu = gucken, blicken; der Begriff wird aber meistens verwendet, wenn man nicht genügend sieht oder wenn mann verkatert ist: mach di Glotza üff, öffne die Augen oder deer gseet hitu wider amaal nit ze Glotza üss, der sieht heute mal wiede kaum zu seinen Augen heraus.
Plampo, N. m., Pl. Plampe, Hände, werden meistens so genannt, wenn man die Hände nicht oder falsch gebraucht, von plampu, baumeln, d.h. die Hände baumeln unnütz herunter; brüüch doch der Plampo, brauch doch die Hand.
Gritta, N. f.; Schritt, von grittu = die Beine spreizen, ds Wasser geit mu bis an di Gritta, das Wasser steht ihm bis zum Schritt.
Tschaago, N. m.; derb Bein, Fuss, der Begriff wird vom Tier entlehnt; är het schi der Tschaago verdreet; er hat sich den Fuss verrenkt.
Tschebil, N. m.; Bein, Fuss; wird bei Mensch und Tier verwendet
Für die wichtigsten Teile des Menschlichen Körpers gibt es immer mehrere Begiffe auf verschiedenen Stilebenen (Kopf = Höüt, Chopf, Grint, Bira); die obtesten Stilstufen werden direkt von der hochdeutschen Begriffbestimmung in die walliserdeutsche Lautung übernommen; die niedereren, derberen Stilstufen werden zum Teil aus dem Tierbereich entlehnt (Tschaago) oder werden bildhaft der natürlichen Umwelt (Grint, Bira) entnommen.
Lebenserhaltende Tätigkeiten
Auch hier gilt das oben gesagt: hohe Stilebene (ässu) aus dem Bereich des Hochdeutschen, niedere, derbe Stilebene (frässu) aus der Tierwelt. Heikel ist dieses Thema in der Bezeichnung von Fortpflanzung und Sexualität; erstens erstaunt die Vielzahl, dann die Derbheit der Sprache und, gleich wie im Standartdeutschen, gibt es viel Euphemismus (voglu, figgu, wäärfu etc.).
VS, 25.11.11













